Rumänien: Holocaust-Denkmal in Bukarest enthüllt

Zum Gedenken an die rund 300.000 rumänischen Juden und Roma, die dem Holocaust zum Opfer fielen, ist in dieser Woche in Bukarest ein Mahnmal enthüllt worden. Staatspräsident Traian Basescu erklärte in seiner Rede, es sei die Pflicht Rumäniens, „den Völkermord während des Zweiten Weltkrieges anzuerkennen“ und die Opfer zu ehren. Auch Holocaust-Überlebende nahmen an der Zeremonie teil.

In Rumänien leben heute nur noch 6.000 Juden. Die Rolle Rumäniens im Holocaust als Verbündeter Hitler-Deuschlands von 1941 bis 1944 wurde nach dem Krieg weitgehend ignoriert. Noch heute ehren rumänische Revisionisten und Rechtsextremisten den mit Hitler verbündeten Marschall Ion Antonescu, dessen Regierung für die Deportationen verantwortlich war.


Anders als die Nazis ließ Antonescu die Kirche an der Macht teilhaben. Die Faschistensprache wurde von Popen geprägt, Vokabular und Sprachduktus klangen wie orthodoxe Gebete. Im rumänischen Faschismus verzierte der Weihrauch das Eisen. Auch die Ideologen der faschistischen Blätter waren Intellektuelle aus dem kirchlichen Umfeld. Emil Cioran zum Beispiel war der Sohn eines Popen. Erst in Frankreich, als Emigrant, packten ihn Schuldgefühle, und er bedauerte glaubhaft sein Frühwerk. Tudor muss seine faschistische Sprache nicht neu erfinden, sie liegt seit Antonescu fertig formuliert vor. Auch das Frühwerk Ciorans gehört heute wieder zur Standardlektüre. Und Tudor brauchte seinen Ceausescukult nur in einen Gotteskult zu verwandeln, damit die Kirche in der braunen Kutsche mitfährt. Seit er betet, spürt er in sich den Messias, in dessen Hand das “Schicksal der rumänischen Blutsgemeinschaft” liegt, der in Demokraten “Reaktionäre” und “Marionetten” sieht. Anscheinend gibt ihm das Beten auch die Kraft für seine Hetztiraden auf die Ungarn, Zigeuner und Juden. Und für die Verherrlichung Antonescus.

Für dessen Rehabilitierung als “heiligen antibolschewistischen Krieger” trommelt Tudor seit zehn Jahren mit großem Erfolg. Antonescu wurde 1946 wegen des Genozids in Transnistrien zum Tod verurteilt und beschwor vor der Hinrichtung seine Unschuld: “In meinem Haus wurde nicht einmal ein Huhn geschlachtet.” Seit 1989 erscheinen in Rumänien fortwährend Bücher, die Antonescu als Helden und Märtyrer preisen. Straßen werden nach ihm benannt und Denkmäler enthüllt. Seit Juni diesen Jahres trägt auch ein Militärfriedhof den Namen “Marschall Antonescu”; er liegt – ausgerechnet – im Grenzgebiet zur Bukowina.

Den Antonescu-Kult praktizieren aber nicht nur Tudors Parteigänger. Auch Politiker und Intellektuelle, die sich als demokratisch bezeichnen, halten die Rehabilitierung des Diktators für “normal”. Wie weit die Wiederbelebung des Faschismus bereits gediehen ist, zeigt sich am deutlichsten im Parlament. 1991 ehrten die Abgeordneten Antonescu mit einer “Gedenkminute”, nur die Vertreter der ungarischen Minderheit verließen aus Protest den Saal. 1999 hatte sich die “Gedenkminute” zur “Feierstunde” gemausert, bei der die Rehabilitierung Antonescus gefordert wurde – und die jenes Ministers, der die Rassengesetze erlassen hatte.

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